Auf der Krim und im Donbas: Saufen, Referenden und Konferenzen ...

Die Scharade mit den "Beobachtern", mit der die von Russland annektierten oder okkupierten Gebiete als legitime Entitäten im Bewusstsein der Welt verankert werden sollen, geht schon seit dem "Referendum" auf der Krim nach immergleichem Strickmuster. Auch dort haben europäische Rechtsaußen ebenfalls im März 2014 eine Abstimmung "beobachtet". Mittlerweile sind auch "Volksvertreter" der AfD im illustren Kreis was dem "Volk" aber tunlichst verschwiegen zu werden scheint...

Dem belgischen Vlaams-Belang-Mitglied Frank Creyelman gelang das Beobachten sogar aus der Ferne und volltrunken. Der folgende - überarbeitete und aktualisierte -  Artikel erschien im November 2014, anlässlich einer Abstimmungsfarce im Donbas, bereits bei Euromaidanpress unter demTitel: "Aus dem Leben eines Beobachters – Über Abstimmungen, Konferenzen, Pyramidenspiele und Alkohol". Auf den ersten Blick ganz lustig, bleibt einem das Lachen dann doch im Hals stecken. Als entspannte Einstimmung auf die Nachbereitung der "Vorwahlen" von letzter Woche in den "Volksrepubliken" ist er immer noch hilfreich.

Bildnachweis: AFF-Verzet, von links nach rechts: Jan Penris, Christian Verougstraete und Frank Creyelman

 

Aus dem Leben eines Beobachters - Über Abstimmungen, Konferenzen, Pyramidenspiele und Alkohol

Auch in Belgien stießen die „Referenden“ sowohl auf der Krim als auch im Donbas auf Interesse, da sich bei beiden Events auch Mitglieder des rechtsextremen Vlaams Belang unter den Beobachtern befanden. So „beobachtete“ das Vlaams-Belang-Mitglied Frank Creyelman –  mehr oder weniger –  sowohl das illegale Referendum auf der Krim als auch das illegale Referendum in Donezk und nahm Ende August an einer „Novorossija“-Konferenz in Jalta teil. Wir dürfen feststellen, dass es einem solch engen Freund Russlands an nichts fehlt, und denken, dass die übrigen Konferenzteilnehmer und Beobachter ebenso verwöhnt werden. Erwartungsgemäß bescheinigte Creyelman dann auch, daß das Krim-Referendum "recht fehlerfrei und zivilisiert" abgelaufen sei, ja, überhaupt sei die Krim ein "fürwahr begeisterndes Beispiel". Davon, wie er das herausgefunden hat, handelt dieser Artikel.   Seit 2014 trommelt Creyelman auch für Assad.

Aber der Reihe nach:

 

Betrunken auf der Krim

 

Das Referendum auf der Krim muss wirklich lustig gewesen sein. Die renommierte britische Journalistin Lindsey Hilsum, machte zu Zeiten des Referendums auf der Krim, nun ja, folgende Beobachtungen:

"Platzte soeben in die flämischen Beobachter des separatistischen Referendums: ‚Sind Sie oK?‘ fragte ich. ‚Nein.‘ ‚Was ist los?‘ Er schwankte und antwortete: ‚Besoffen‘“.

Am 16. März um 6:49, eine Viertelstunde vor Öffnung der Wahllokale saß Creyelman immer noch im Hotel und tat kund, die Abstimmung im zwei Stunden entfernten Sewastopol beobachten zu wollen. Um 8:18 saß er, so Lindsey Hilsum immer noch im Hotel und wartete auf Anweisungen. „Möglicherweise verkatert.“

 

Und um viertel vor Zehn saß er, so der niederländische Journalist, damals Moskau-Korrespondent für die Volkskrant und RTL, Olaf Koens, vor einem Bier und wusste immer noch nicht, was er zu tun hatte:

Heldenhaft in Jalta

Aber wir wollen nicht missgünstig sein. Andere Länder, andere Sitten – wo steht, dass man beim Wahlbeobachten nicht betrunken sein darf?

Das 500-Betten-Hotel, gut sowjetisch „Jalta Intourist“ geheißen, musste wegen eines Bombenalarms kurzfristig geräumt werden (Bildnachweis: facebook, Frank Creyelman)

Am 29. Und 30. August 2014, als in Jalta von Neonazis und Faschisten ein „antifaschistisches Komitee von Russland mit Nazis und Faschisten“ erschaffen wurde, war Herr Creyelman schon wieder mit von der Partie. Über Herrn Creyelmans liest man in diesem Bericht von Information Resistance, einem der Vorläufer von InformNapalm: „Repräsentant der belgischen Separatistenpartei „Vlaams Belang“ (Flämische Interessen) war ein Beobachter des illegalen Referendums auf der Krim. Neonazi, Islamophober, persona non grata in der Türkei.“

 

Und dann kam der Bombenalarm. Ja, die Welt ist schlecht …

 

Shakehands unter Freunden

Und jetzt wurden Creyelmans Dienste in Donezk benötigt. Dazu schreibt das belgische antifaschistische Blog AFF-Verzet:

„In Donezk nahmen bloß zwei Parteien, die sich wenig voneinander unterschieden, an den Wahlen teil: ‚Republik Donbas‘ und ‚Freies Donbas‘… In mindestens drei Wahllokalen in Donezk wird unter den Augen von Bewaffneten abgestimmt… Keine einzige anerkannte internationaler Organisation hat zu diesen Abstimmungen, die schon auf Entfernung wie eine Farce aussieht, Beobachter entsandt. Das ‘European Centre for Geopolitical Analysis’ (ECGA) des Polen Mateusz Piskorski und das ‘Eurasian Observatory for Democracy & Elections’ (EODE) waren jedoch zur Stelle. Delegationsleiter für das letztere Institut war der Franzose Fabrice Beaur, Mitglied des finsteren Parteichens Parti Communautaire National-européen (PCN), das von dem Belgier Luc Michel geleitet wird.“

Der Anführer der Terroristen in Donezk, Alexander Sachartschenko am 1. November 2014 mit Mateusz Piskorski (li, Polen, "Neo-Eurasier", zur Zeit wegen Spionage für Russland und China in Haft) und (re, Fabrice Béaur, Frankreich, s.o.)

Michel kam im März 2014 auf der Krim ganz steil aus dem Gebüsch:

Als Leiter einer angeblichen OSZE-Mission. Der ukrainische Politologe Anton Shekovzov schreibt dazu: „Die gewollt-imposante Präsentation von Michel für die russischsprachigen Zuschauer enthüllt das, sogar in einem generell antiwestlichen Kontext, hohe Ansehen der OSZE.“

Der belgische Faschist Luc Michel, Führer der EODE, auf der Krim. Die Bildunterschrift lautet: „Organisator der OSZE-Mission auf der Krim“ Bildnachweis: screenshot Anton Shekovtsov

Was die OSZE sofort zurückwies, wie sie auch die Behauptung zurückwies, sie beobachte die „Referenden“ am  2. November 2014:

“Keine OSZE #observation der sogenannten “Wahlen” in der Ost-#Ukraine Sonntag 2. November und keine OSZE-Beobachter in den Wahllokalen – Generalsekretär Zannier — OSCE” (@OSCE) 1. November 2014

„Wie meine Analyse der Bewegungen dieser internationalen „Wahlbeobachter“ zeigt, sind sie in Donezk aus Moskau kommend über Rostow-am-Don angekommen. Das bedeutet, dass sie alle illegal in die Ukraine eingereist sind und somit wegen illegalen Grenzübertritts belangt werden könnten.“

Frank Creyelman traf, aus Moskau kommend, am 1. November 2014 in Rostow am Don ein. Außer  ihm hatten sich noch an der „Beobachtung“ der Abstimmung beteiligt: Mitglieder der griechischen Kommunistischen Partei und Vertreter des breiten Spektrums der rechten und rechtsextremen Parteien Europas. Die üblichen Verdächtigen der  LINKEN schienen dieses Mal ferngeblieben zu sein.

Alle Wahlbeobachter kamen froh gestimmt nach Hause und sonnten sich in der Bewunderung ihrer jeweiligen Fankurven. Und Frank Creyelman ist jetzt auch der Assad-"syrischen" Sache verpflichtet, die ja, genau genommen, auch eine russische ist.

Mittlerweile muss man sich um deutsche Lebern, Leber- und CDT-Werte sowie um das Verhältnis weiterer deutscher "Volksvertreter" zum Völkerrecht Sorgen machen. Bei den "Vorwahlen" im Donbas letzte Woche "beobachteten" zwei gewählte Landtagsabgeordnete  der AfD in den Landtagen von Thüringen (Thomas Rudy) und Baden-Württemberg (Udo Stein). In den Facebook-Accounts von Rudy und Stein wird der Einsatz im Donbas allerdings laut beschwiegen. Vielleicht weil nach dem Vorbild von Volksvertretern der LINKEN mal wieder über Russland eingereist wurde? Man weiß es nicht...

Um (außen-)politischen Schaden abzuwenden, sollten derartige Aktivitäten deutscher "Volksvertreter" genauer als bisher beobachtet werden. Über die Vorwahlen im Donbas wird noch genauer berichtet.

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