Auf Putins Geburtstag - heute vor 10 Jahren - wurde Anna Politkowskaja ermordet

Quelle: Halya Coynash, khpg.org. 6.10.2016

Heute vor zehn Jahren wurde Anna Politkowskaja, scharfe Kritikerin des Kreml und Stimme seiner Opfer, im Treppenhaus ihres Appartementhauses in Moskau erschossen. Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin wurde - zufällig oder ganzu und gar nicht - am 54. Geburtstag von Präsidente Wladimir Putin ermordet. Heute wird Putin 64.

Schauen wir auf das Jahr 2006 zurück: da gab es sofort eine internationale Reaktion auf den Mord. Nur Putin selbst schwieg tagelang. Letztendlich zwang ihn ein Journalist in Deutschland am 12. Oktober zu einer Reaktion, und da fiel ihm nichts Besseres ein, als zu sagen, daß die Ermordung von Politkowskaja "Russlands Reputation mehr Schaden zugefügt hat, als das ihre Reportagen jemals gekonnt haben."

Es gab einige Verhaftungen. sogar Verurteilungen, doch diejenigen, die den Mord an Anna Politkowskaja befohlen hatten, wurden nie gefunden. Es wurde auch nicht nach ihnen gesucht.

Das gleiche kann man über die Mörder von Boris Nemzow sagen, der am 9. Oktober 57 Jahre alt geworden wäre. Er wurde, auf einer Brücke mit Blick direkt auf den Kreml, am Jahrestag der Krim-Invasion erschossen.

Der Prozess gegen die fünf Männer, die wohl in die Ausführung des Mordes verwickelt sind, hat gerade in Moskau begonnen. Es gibt keine echten Antworten darauf, wer den Mord befohlen hat.

In beiden Fällen gab es eine "tschetschenische Spur" und in beiden Fällen hat man sich angeworbener Auftragsmörder bedient. Vier von fünf für den Mord an Politkowskaja verurteilten Männer sind Tschetschenen, genau wie alle Verdächtigen im Fall Nemzow.

Letztes Jahr kamen die Ermittler mit einer beleidigend unplausiblen Version heraus: Nemzow sei nicht wegen seiner unerbittlichen Opposition gegen die Politik des Kreml in Russland und dessen Aggression gegen die Ukraine ermordet worden, sondern wegen eines Kommentars, den er zur Unterstützung der Anfang Januar in Paris ermordeten Karikaturisten gemacht habe. Diese Version erwies sich als vollkommen unhaltbar, sie hatte vermutlich jemandem gefallen sollen.

 

Dreißig Minuten nach der Eilmeldung über das Attentat auf Nemzow fingen die Sprachrohre des Kreml, die Argumentationslinie durchzudrücken, daß Nemzow irrelevant gewesen sei, ein abgehalfterter Politiker undsoweiter. Und genau wie bei Putins Kommentar über den Mord an Politkowskaja, war der vorherrschende Narrativ, daß der Kreml und seine Bewohner mehr durch die Ermordung Nemzows als durch seine Aktivitäten beeinträchtigt worden seien.

Wenn Ihr könnt, mögt Ihr glauben, was sie über ihre Morde erzählen und über viele andere, wie der an der Menschenrechtsaktivistin Natalia Estemirowa.

Jeder Tod war tragisch aus sich heraus, doch dazu ein bitterer Verlust für die, die diese Stimmen so verzweifelt benötigten.

Anna Politkowskaja prangerte wieder und wieder die Verbrechen der Kräfte der russischen Föderation in Tschetschenien an, das erzwungene Verschwinden, die gewaltsamen Entführungen.

Sie brach am 1. September 2004 sofort nach Beslan auf, um das Leben von mehr als tausend Kindern, ihrer Familien und ihrer Lehrer*innen zu retten, die von Terroristen als Geiseln genommen worden waren.

Auf dem Aeroflot-Flug nach Beslan wurde sie vergiftet - fast sicher, um zu verhindern, daß jemand Beslan erreichte, bei dem alle Chancen bestanden, von den Entführern beachtet zu werden.

Am 3. September endete die Belagerung in einem Blutbad, nachdem Föderale Kräfte Panzer und schwere Artillerie benutzten, um das Gebäude zu stürmen.

Im September 2016 wurden 5 Mütter von Opfern der Geiselnahme verhaftet und verfolgt, da sie während eines Gedenkgottesdienstes T-Shirts getragen hatten, auf denen stand: "Putin ist der Henker von Beslan".

Es wurde nie ordentlich ermittelt, wie die Terroristen es geschafft hatten, ein solches Arsenal in einer Schule zu verstecken, und wieso eine Anzahl von ihnen kurz vor diesen Ereignissen aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Man würde Anna Politkowskajas Stimme hören, sie würde die richtigen Fragen stellen und die Mütter gegen Verfolgung verteidigen.

Man würde ihre Stimme genau wie die von Boris Nemzow wider Russlands Aggression gegen die Ukraine vernehmen.

Ihre Stimme fehlt nun auch schmerzlich auf der Krim, auf der Russland zunehmen die gleichen Methoden benutzt, die es so lange in Tschetschenien und Inguschetien angewandt hat.

Hier ist eine arte-Dokumentation über Politkowskajas Leben, Wirken und Sterben:

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