Willkommen in der Realität

Dieser Text erschien zuerst auf der fb-Seite von Jan Schönfelder. Wir bedanken uns für die Erlaubnis zur Übernahme.

 

Es wird nun auch für das internationale Publikum immer klarer, dass im besetzten Teil des Donbass alles von Russland kontrolliert wird. Ein Team von France 24 konnte mit eigenen Augen sehen, wie russische TV-Propaganda über angebliche ukrainische Beschüsse friedlicher Städte entstehen. Die Beschüsse organisieren die Armeekorps selbst. Alles wird mit den russischen TV-Teams abgesprochen. Was viele Bewohner im Internet immer wieder berichten und die ukrainische Militäraufklärung immer wieder in ihren Lageberichten schreibt, konnte nun direkt eingefangen und nachgewiesen werden.

Das ist die Reportage von France 24.

 

Wie in Transnistrien

Es reift endlich die Einsicht, dass es militärisch und politisch eigentlich gar keine wirklichen "Separatisten" gibt. Zumindest gab es vorher überhaupt keine gewachsene Bewegung, die irgendwelche politische Forderungen gestellt hätte und eine breite Unterstützung hatte.... Es gab so eine Bewegung schlicht weg nicht. Selbst marginale Bewegungen waren öffentlich nicht sichtbar.

Jemand, der glaubt, Russland würde seine Invasionsstreitmacht freiwillig abziehen, sei an Transnistrien erinnert, wo vertraglich ein Rückzug der sog. russischen Friedenstruppen bis 2001 vereinbart war. 15 Jahre später besetzen russische Truppen weiterhin ein Teil der Republik Moldau und stützen finanziell ein russisches Protektorat. Über 50% des Haushalts werden von Russland finanziert.

 

Poroschenkos gestrige Rede: eine Kriegserklärung?

Die gestrigen Äußerungen des ukrainischen Präsidenten werden dabei als Kriegserklärung interpretiert. Warum?

Er sagte, zuerst Sicherheit (kompletter Abzug der russischen Armeekorps, schrittweise Rückgewinnung der Kontrolle über den von der Ukraine nicht-kontrollierten Teil der Landgrenze, ca. 410 Km), erst danach kann der politische Teil der Minsker Verträge umgesetzt werden.

Russland ist momentan an einem Rückzug überhaupt gar nicht interessiert, sondern der Ausbau der militärischen Infrastruktur bei den Invasionsstreitkräften im Donbass, die Manöverübungen der letzten 2 Wochen auf 18 geschaffenen Truppenübungsplätzen im besetzten Teil des Donbass durch die beiden russischen Armeekorps, die weitere Verstärkung der Truppenverbände und der Ausbau der militärischen Infrastruktur an der Grenze zur Ukraine sprechen eine ganz andere Sprache. Zudem wurde erst ein Nachtragshaushalt für 2016 beschlossen, wo überall radikal gekürzt wird, aber in einem Bereich massiv aufgestockt wird: "Verteidigung....". Bis Jahresende sollen 30 weitere hochmobile taktische Bataillonsgruppen formiert werden. Die Formierung eines 3. Armeekorps für den Donbass zum Einsatz für Angriffsoperation ist praktisch abgeschlossen.

Man braucht sich nur das folgende, wunderbare Video von Informnapalm anzuschauen - eine Zusammenstellung von neuer und modernisierter russischer Militärtechnik, die im Donbass identifiziert werden konnte. Für die Arbeit mit Systemen der elektronischen Kampfführung, Luftaufklärung, Luftabwehr, Artillerie und die Fähigkeit, Panzer zu steuern, braucht es entsprechende Ausbildung von teilweise mehreren Jahren. Das Video zeigt dabei v.a. Militärtechnik und Waffensysteme, die erst seit kurzem im Einsatz sind und noch nie exportiert wurden und nicht von den ukrainischen Streitkräften eingesetzt werden.

Das Video von (c) Informnapalm

 

So könnte eine Lösung aussehen

Eine Lösung im Sinne eines russischen Rückzugs wird es nur bei einem massiven, stufenweisen Einsatz von Druckmitteln (sektorale Sanktionen, Exportbeschränkungen, Swift) geben. Dies erfordert eine klar definierte Roadmap mit einem Malus- und Bonus-System, wobei qualitativ und quantitativ messbare Ergebnisse definiert werden, die auch Meilensteine genannt werden können, deren Nichterreichen durch Russland automatisch Konsequenzen nach sich ziehen, die bereits vordefiniert und vorbeschlossen sind. Wir brauchen eine realistische Politik und keine Träumerei von einem Dialog mit einem "Partner", der überhaupt nicht unsere Werte teilt.

Befestigte Stützpunkte der potentiellen Angriffsformationen (c) JanSchönfelder, der hier seine Erkenntnisse dargestellt hat.

Aufwuchs der russischen Angriffskräfte in der Ostukraine seit 2014: AFV = Schützenpanzer, 1260, Kampfpanzer, 600, Artilleriegeschütze (Art) und Granatwerfer (MRL, "Stalinorgeln"): 1060, Boden-Luft-Raketen: 470.Diese Graphik stammt aus ukrainischen Ministerium der Vize-Ministerpräsidentin für Europäische Integration, zusammengestellt nach den Erkenntnissen der ukrainischen Militäraufklärung

 

Über den Autor:

Osteuropahistoriker, Slawist und Übersetzer, promoviert an der Universität Leipzig zum Thema "Holodomor". Neben seiner Tätigkeit im Bereich Übersetzungen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit verfasst er analytische Beiträge rund um die Ukraine.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Kisha Schwein (Freitag, 03 Februar 2017 17:49)


    Great beat ! I wish to apprentice whilst you amend your web site, how could i subscribe for a weblog site? The account aided me a applicable deal. I have been tiny bit acquainted of this your broadcast offered brilliant transparent concept

  • #2

    Latina Trusty (Samstag, 04 Februar 2017 10:20)


    Hey! Do you use Twitter? I'd like to follow you if that would be ok. I'm undoubtedly enjoying your blog and look forward to new posts.