US-Präsidentenwahl, Dickileaks, Wikileaks, Lesben, Muslimbrüder- und Russlands Beitrag

Wird die Email-Affäre den Wahlausgang in den USA noch drehen? Der sozialdemokratische belgische Standaard veröffentlichte die heutigen Zahlen, die das nebenstehende Bild zeigt. Allerdings ist das kein Grund zum Jubeln, denn die "grüne" - ebenfalls putinfreundliche -  Kandidatin Jill Stein kommt auf 5% und der libertäre Gary Johnson versammelt 7% der Wähler*innen hinter sich.

Der aufgewirbelte Dreck, in dessen Zentrum Clintons Beraterin Huma Abedin und deren Mann, Anthony Weiner, stehen, droht auch an Clinton kleben zu bleiben. und auch die "Islamkritik" hat ein dankbares Thema, denn Abedin entstammt einer religiösen Familie. Und ein wenig Porno darf es auch sein. Und Putins Tools, wie Wikileaks und Russia Today mischen kräftig mit.

Das  auch in Europa erscheinende Magazin "Politico" kommt auf ähnliche Zahlen und zitiert eine am Wochenende durchgeführte Umfrage:

  • Unter Einberechnung der Werte für die Kandidaten der Kleinparteien steht es 42:39 für Clinton, ohne sie 46:43.
  • 39% hätten geäussert, die neueste Affäre habe keinen Einfluss auf ihr Wahlverhalten, 33% hatten geäussert, daß sie noch weniger geneigt seien, Clinton zu wählen, als zuvor schon.

Diese Umfrage zitiert auch das linksliberale Magazin "The Daily Beast".

 

Was ist denn eigentlich los?

Kurz: eine stinkende Schlammschlacht! Wie sich die Kontrahent*innen ad personam und unter dem Gürtel beharken, konnte man in den drei TV-Debatten besichtigen, in deren dritter Trump zur nappetitlichen Hoch- bzw. Tiefform auflief. Desgleichen überboten sich seine Anhänger*innen in ekelerregenden Unterstützungsaktionen, wie z.B. widerwärtigen, frauenfeindlichen Buttons, in großen Mengen billiger, z.B. auf ebay. Falls jemand nicht sicher ist, was "Bitch" übersetzt heisst - einfach eine Übersetzung aussuchen.

Im Kern geht es um Folgendes: Vor Monaten ploppte hoch, daß Clinton von ihrem privaten eMail-Konto dienstliche emails verschickt hat, von denen ein beträchtlicher Teil dienstlichen Inhalts war und davon wieder ein beträchtlicher Teil als geheim eingestuft. Der sich daraus entwickelnde email-Verkehr wurde auf einem privaten Server gespeichert und in Kopie auch an Mitarbeiter*innen, wie Clintons enge Beraterin Huma Abedin verschickt, auf deren Notebook, das sie sich mit ihrem Mann teilte, angeblich 650.000 (!) Clinton-Emails gefunden wurden. Huma Abedin ist indisch-pakistanischer Herkunft, in Saudi-Arabien aufgewachsen, somit Muslima und ihre Mutter trägt Kopftuch. Dazu später.

Sie ist - noch - mit einem Mann verheiratet, der mit mehreren Sexskandalen auffiel (er hatte freizügige, zum Teil äusserst grenzwertige Bilder, zum Teil an Minderjährige verschickt). Im Rahmen der Untersuchung dieser AffäreN, die mittlerweile unter "Dickileaks" laufen, stellte das FBI ein von Weiner und Abidin gemeinsam genutzes Laptop sicher, auf dem sich, quasi als "Beifang", wie es scheint. Im Rahmen dieser Untersuchung musste ein weiteres Laptop und ein USB-Stick, auf dem sich ebenfalls Emails befanden, verloren gemeldet werden. Abidin, die seit 20 Jahren im Dienst von Hillary Clinton ist, wird schon länger angeschossen. Hier ein Video von 2015, das bereits suggeriert, mit dem Aufstieg von Abidin gehe es nicht mit rechten Dingen zu. Mittlerweile wird Abidin wahlweise als Clintons lesbisches Verhältnis, Muslimbrüder-Uboot oder beides dargestellt. Clinton scheint bereits die Reißleine gezogen und sich von ihr ein Stück weit distanziert zu haben, denn es scheint, daß die "loyale Dienerin" mittlerweile als aktuell größtes Risiko für Clinton wahrgenommen wird. Doch daß Abedin für Clinton eventuell zum Problem werden könnte, wurde schon seit Anfang des Jahres herbeigeschrieben. Mittlerweile wird Abedin als bislang verkannte "Islamische Gefahr" regelrecht aufgebaut.

Und seit diesen Sommer scheint auch RT in dieser Schmutzkampagne mit an Bord zu sein. Das folgende, im August hochgeladene Video eines rechtsextremen Verschwörungstheoretikers namens David Vose müsste man nicht ernst nehmen, enthielte es nicht Schnipsel aus zumindest einer Sendung von RT, in der ins gleiche Horn getutet und Abedin ins Zwielicht gerückt wird:

Das FBi hatte im Juli diesen Jahres, nach Abschluss der Untersuchung, ein mehrere hundert Seiten starkes Papier veröffentlicht, in dem die Untersuchungsergebnisse sehr ausführlich aufgelistet und bewertet werden. Zusammengefasst: durch ein unprofessionelles Hin und Her auf verschiedenen privaten Speichermedien bestand ein hohes Risiko, daß die zum Teil (als sicherheitsrelevant) eingestuften Mails in unbefugte Hände geraten könnten. Man entschied, festzustellen, daß das ganze zwar ein Vergehen sei, aber nicht strafbar. Man stellte das Verfahren ein. The Daily Beast hat das ganze Chaos nachgezeichnet.

 

In zumindest zeitlichem Zusammenhang mit dem medialen Zurechtlegen von Huma Abedin wurden eine Menge Emails von Wikileaks, mittlerweile für Putin ein verlässliches Tool, veröffentlicht. Es gibt zumindest Zweifel an der Echtheit zumindest eines Teils dieser Emails un und es wird angenommen, daß Wikileaks auf die Unterstützung russischer Hacker zurückgreifen konnte. Das erscheint plausibel. Schließlich besteht ja auch - mehr als - ein Verdacht, daß es russische Hacker waren, die den Kampagnenserver der Demokraten geknackt haben. Und es ist auch kein Geheimnis, wen Wladimir Putin als nächsten Präsidenten im Weißen Haus sehen möchte. Und das sind keine guten Nachrichten.

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